no-img

Paulus Rusch vor 75 Jahren zum Bischof geweiht

Im Rahmen der Vesper zur Eröffnung des Diözesanjubiläums am Sonntag, 1. Dezember um 17 Uhr im Dom zu St. Jakob in Innsbruck, wird Bischof Manfred Scheuer im Besonderen auch dem ersten Bischof der Diözese Innsbruck gedenken.

Bischofsweihe Paulus Rusch 1938

Paulus Rusch wurde am 30. November 1938, also vor 75 Jahren, zum Bischof geweiht. Bei seiner Weihe war er mit 35 Jahren der jüngste Bischof der Weltkirche und der erste ständig in Innsbruck wohnende Bischof der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch. Rusch leitete die Diözese Innsbruck bis 1980.

Nach der Vesper hält Bischof Scheuer eine Statio an den Gräbern von Bischof Rusch und Bischof Stecher.

Zum 40-jährigen Bischofsjubiläum von Bischof Paul Rusch predigte der damalige Münchner Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger: „Bischof Rusch hat dort (Anm. im Konzil) Entscheidendes getan, dass die großen Gedanken des Glaubens, die hier in Innsbruck von Josef Andreas Jungmann, von Karl und Hugo Rahner und anderen gedacht wurden, Raum gewannen, fruchtbar wurden in die Weite der ganzen Kirche hinein.“

Scheuer: Rusch war großer Vordenker der katholischen Soziallehre

Persönlich hat Bischof Manfred Scheuer seinen Vorgänger nie kennen gelernt, doch Berichte und eine sehr umfassende Gedenkschrift zeichnen ein sehr nuanciertes Bild von der Persönlichkeit des 1986 verstorbenen Innsbrucker Bischofs: „Als ‚Wächter und Lotse in stürmischer Zeit’ haben die Herausgeber Bischof Paulus Rusch in einer Gedenkschrift bezeichnet. Gerade in den Nöten der Kriegs- und Nachkriegszeit ist er zu einem Vordenker der katholischen Soziallehre geworden. Neben seinem Engagement im sozialen Bereich und der Sorge um lebendige Gemeinden galt sein Augenmerk in besonderer Weise der Innsbrucker Universität. Offen für die junge Generation ist er durch seine Persönlichkeit in heftige Konfrontationen mit der Jugend getreten. Er hat sich den Herausforderungen der 68er Generation mit seinen Kanten, mit seiner Wohlmeinung und auch mit seinen Grenzen gestellt. Bei einigen Institutionen schien ihm eine Tempelreinigung notwendig. So war seine Person gerade in den letzten Jahren seiner Amtszeit äußerst umstritten. Die Risse und Wunden aus den 70er Jahren sind teilweise bis heute offen.

Bischof Paulus hat die bischöfliche Verantwortung für das Gebiet unserer heutigen Diözese 42 Jahre lang wahrgenommen. Gerade in unsrer jungen Ortskirche brauchen wir eine gute Erinnerung. Der Glaube braucht ein Gedächtnis, oder er degeneriert.“ So Scheuer im Gedenken an Bischof Paulus Rusch.

Bischof Paulus Rusch

Aus dem Leben von Bischof DDr. Paulus Rusch (1903-1986)

Paulus Rusch wurde am 4. Oktober 1903 in München geboren, wo sein aus Bludenz stammender Vater arbeitete. Als Spätberufener - er hatte zuvor den Beruf eines Bankbeamten ausgeübt - trat er 1927 in das Theologische Konvikt der Jesuiten „Canisianum“ in Innsbruck ein und nahm das Studium der Theologie und Philosophie auf. Beide Studien schloss er mit dem Doktorat ab. Am 26. Juli 1933 wurde er zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Lech a. Arlberg und Hohenems (Vorarlberg), bei dem seiner Zeit weit vorauseilenden unvergesslichen Pfarrer Renn, berief ihn Erzbischof Dr. Sigismund Waitz zum Regens des Priesterseminars in Innsbruck. Zwei Jahre später, am 15. Oktober 1938, wurde er zum Apostolischen Administrator von Innsbruck-Feldkirch ernannt und am 30. November 1938 in Innsbruck zum Bischof geweiht. Der 35jährige war damals der jüngste Bischof der Weltkirche. Bis zum Jahr 1945 wurde Bischof Rusch durch das nationalsozialistische Regime ignoriert, gedemütigt und schikaniert.

Sieben harte Jahre der Verfolgungszeit

So wurden in den Jahren 1939 /40 viele Klöster geschlossen und Kirchen geplündert. (Hofkirche, Stift Wilten, Stift Stams, Stift Fiecht, Servitenkirche, Kapuzinerkirche, Anbetungskirche.) Ende 1939 wurde Bischof Rusch zum zweiten Mal aus seinen Amtsräumen von Gauleiter Hofer vertrieben. „Der Bischof war also obdachlos“ schrieb der spätere Caritasdirektor Josef Steinkelderer 1946 (in den KZ’s Sachsenhausen und Dachau von 1939 bis 1945). Der damalige Provikar (Generalvikar) Carl Lampert wollte darauf hin bei Gauleiter Hofer die notwendige Genehmigung für die Unterkunft des Bischofs bei den Anbetungsschwestern einholen. Nach zwei Monaten war die „Antwort“ des Gauleiters ein Hausdurchsuchung und schließlich die Beschlagnahmung und Räumung des Klosters. - Es waren sieben Jahre der Verfolgungszeit, über deren Härte Rusch wenig bis gar nicht sprach.

Sein Stellvertreter, Prälat Dr. Carl Lampert, wurde 1944 hingerichtet und am 13. November 2011 selig gesprochen.

Mann der sozialen Tat und Bischof der Jugendtage

In den letzten Kriegswochen und nach dem Krieg erwarb sich Bischof Rusch als „Mann der sozialen tat“ große Verdienste bei der Linderung der allgemeinen Not und beim Wiederaufbau der Heimat. So führte die Notwendigkeit der Hungerhilfe zur Gründung der Caritas. Bereits 20 Jahre vor dem Konzil spricht er über die Bedeutung des Laien in der Kirche. Er ist der Bischof, der viel mit dem Fahrrad unterwegs war, der Bischof der Jugendtage. Die Jugend, besonders die Arbeiterjugend, war Bischof Rusch ein besonderes Anliegen, von der er sich wichtige Impulse für eine moralische Erneuerung nach den Wirren der NS-Zeit erwartete. Engagiert zeigte er sich für die Anliegen der Arbeiterschaft. Unter dem Motto „Wohnbau ist Dombau“ rief er 1950 und 1959 zum Kampf gegen die Wohnungsnot auf und unterstützte den sozialen Wohnbau auch aus kirchlichen Mitteln (Heilig-Jahr-Siedlungen). Rusch hat sich auch zeitlebens mit den Problemen, Anliegen und Entwicklungen der Arbeitswelt auseinander gesetzt, was ihm auch den Namen „roter Bischof“ einbrachte. Als Verfasser des Sozialhirtenbriefes der Österreichischen Bischöfe 1957 und Autor mehrerer Schriften plädierte er nachdrücklich für Partnerschaft in Gesellschaft und Betrieb. Sein besonderes Engagement galt sozialen Fragen sowie dem Einsatz für den Frieden und die Ökumene.

Auch die Not in den Entwicklungsländern nahm sich der Bischof zu Herzen. Er gründete die Aktion „Bruder in Not“, die bis heute Sozialprojekte in Afrika und Lateinamerika unterstützt. Von 1952 bis 1972 war Bischof Rusch Vizepräsident der internationalen Friedensbewegung "Pax Christi" und gründete in dieser Funktion das „Institut für Internationale Zusammenarbeit“ (Wien).

Erster Bischof der Diözese Innsbruck

Am 26. September 1964 wurde Paulus Rusch zum ersten Bischof der neu errichteten Diözese Innsbruck-Feldkirch ernannt (der Ziller bildet die Ostgrenze). Am 8. Dezember 1968 wurde der Vorarlberger Anteil abgetrennt.

Im Jahr 1977 - bei Erreichen der Altersgrenze - reichte er das Rücktrittsgesuch ein, wurde jedoch gebeten, weiterhin die Diözese zu leiten. 1980 trat er als Bischof von Innsbruck zurück und lebte fortan - bis zu seinem Tod am 31. März 1986 - im Kloster der Barmherzigen Schwestern in Zams.

Bischof Rusch wurde mehrfach für seine Verdienste ausgezeichnet - unter anderem mit dem Großen Goldenen Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, dem Ehrenring des Landes Tirol usw.

Aktuelle Termine

Tiroler VersicherungRaiffeisenStadt InnsbruckLand Tirol

AUFBRECHEN 2014
Diözese Innsbruck
Riedgasse 9-11, 6020 Innsbruck
+43 512 2230-2210
michael.gstaltmeyr@dibk.at